Corona-Notgruppen im Pädagogischen Zentrum

Es ist schon befremdlich plötzlich so vielen Menschen mit Mundschutz zu begegnen - egal ob auf der Straße oder im Fernsehen. Wie mag dieser neue Umstand wohl auf Kinder wirken? Und wie gehen die Mitarbeiter damit um?

Im Kindergarten Hollerstauden sind derzeit drei Jungen in einer der sogenannten Notgruppen des Pädagogischen Zentrums untergebracht, für Kinder, deren Eltern beide oder auch nur teils in systemrelevanten Berufen arbeiten. “Die wissen genau, warum sie hier sind”, berichtet Einrichtungsleitung Gudrun Auner. “Und sie wissen auch, was es mit dem Coronavirus auf sich hat und dass die Eltern bzw. Mama oder Papa als Ärzte in der Arbeit gerade dringend gebraucht werden. Die Jungs sind jetzt abwechselnd mit einem Erzieher in der Holzwerkstatt, spielen oder helfen auch beim Aufräumen.” In den Kitas laufen gerade große Aufräum- und Reinigungsaktionen. Es wird sortiert, geputzt, ausgemistet und neu gestaltet. Ganz im Sinne Montessoris dürfen die Kinder helfen. Und das tun sie auch gerne. “Zum Beispiel sortieren sie die Bücher und legen ein paar zur Seite, die wir dann demnächst durch andere ersetzen können”, so Gudrun Auner. 

Das Mädchen, das in der Krippe Hollerstauden derzeit betreut wird, ist erst knapp über einem Jahr und kann noch nicht erzählen, was es von ‘Corona’ hält. “Alles ist anders”, erzählt Erzieherin Ramona Freitag. “Wir wechseln uns mit der Betreuung ab und nutzen gerade auch nur einen Raum zum Spielen, Essen und Schlafen. Den Raum und auch die Spielsachen, einfach alles, müssen wir täglich desinfizieren. Deswegen gibt’s auch nur Spielzeug aus Kunststoff, das die täglichen Säuberungen besser wegsteckt. Auch wenn das Mädchen, das derzeit hier ist, es nicht ausdrücken kann, aber manchmal merken wir einen irritierten Blick. Ich denke, auch ihm ist irgendwie klar, dass das hier ein Ausnahmezustand ist.” 

Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie ist ihnen zumute? Angst oder gar Panik haben diejenigen, die derzeit in den Einrichtungen betreuen, nicht. Aber ein Bewusstsein, dass diese Kinder durch ihre Eltern womöglich doch eher mit dem Virus infiziert werden könnten als andere, ist schon da. Deswegen gehen alle äußerst respektvoll mit der Situation um und halten sich an die Hygienemaßnahmen, die dann eben auch heißen: Handschuhe, Mundschutz und ausreichend Abstand. Natürlich ist das im Umgang mit Kindern noch einmal eine andere Hausnummer, denn gerade kleinere Kinder husten und niesen dann doch etwas unkontrollierter als Erwachsene. 

Auch in der Montessorischule gibt es eine Notgruppe. “Obwohl alles anders ist, wird für die Kinder die Tagesstruktur aufrechterhalten. Am Morgen steht Freiarbeit auf dem Programm. So wie die anderen Kinder ihr Pensum daheim bearbeiten, bearbeiten die Kinder bei uns ebenfalls ihre Aufgaben. Am Nachmittag findet die Hortbetreuung statt”, so Bettina Schlamp, Mitarbeiterin im Integrationshort. Ansonsten beschreibt sie die Schule und das komplette Gelände als ‘gespenstisch’: “Alles ist ruhig. Kein Lachen, kein Toben in der sonst so belebten Umgebung. Nur hier und da sieht man wenige Menschen durchs Gelände streifen.” Die Kinder nehmen die neue Situation unterschiedlich auf: „Cool finde ich, dass ich nun alle Spielsachen für mich habe, aber ich vermisse meine Freunde“, so eines. Andere freuen sich, dass sie nicht das einzige Kind sind, das in der Notgruppe betreut wird: „Ich finde es schön, dass noch ein anderes Kind da ist, mit dem ich arbeiten und zusammen spielen kann.” Gleichzeitig fehlt natürlich das intakte Zusammensein in den eingespielten Lern- bzw. Hortgruppen: “Es ist gut, dass sich die Erzieher nicht um so viele Kinder kümmern müssen und mehr Zeit für mich haben. Aber trotzdem finde ich es zwischendurch langweilig, ohne all die anderen Kinder zu sein.“

So machen alle das Beste aus dieser Zeit, in der ein Virus die ganze Welt lahmlegt und keiner so genau weiß, was noch kommt. Mittlerweile kursieren auch Mundschutz-Nähanleitungen in den Einrichtungen und unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. “Wir haben noch Mundschutze gefunden, die wir vor Jahren für ein Krankenhausprojekt angeschafft haben. Die können wir jetzt gut brauchen”, erzählt Verena Fleischmann, Einrichtungsleitung in der Krippe Hollerstauden. Aber auch die halten ja nicht ewig und so sind gerade die Talente der Pädagogen auf ganz anderer Ebene gefragt.