Faszination Schnecken: die neuen Haustiere im Montessori-KiGa Manching

Ein ganz besonderes und bayernweit einzigartiges Kindergartenprojekt hat der Montessori-Kindergarten Manching auf die Beine gestellt: Dort leben nun in einem umgebauten Aquarium handtellergroße Riesenschnecken.

Die “Reticultas” strecken auch mal tagsüber ihre Fühler aus und sind nicht ausschließlich nachtaktiv. Ein Grund mehr für Marianna Cuda genau diese Schneckenart für ihr Projekt in den Kindergarten zu holen. Im Zuge einer pädagogischen Weiterbildung wählte sie das Facharbeitsthema “Tiergestützte Pädagogik”. “Ameisen waren mir zu gefährlich. Was, wenn die ausbrechen? Und Würmer finden die Kinder vielleicht eklig. Da bin ich auf die Schnecken gekommen, denn Schnecken faszinieren schon die Kleinsten”, erzählt Marianna Cuda in Erinnerung an die ersten Überlegungen zu ihrem Projekt. 

“Tiere unserer Welt” - so lautet das Jahresthema im Kindergarten Mittendrin in Manching. Das Projekt passt also perfekt. Die Riesenschnecken stammen ursprünglich aus Afrika. Frei leben dürfen sie in Deutschland nicht. In Bayern “arbeitet” bisher kein Kindergarten mit ihnen, in anderen Bundesländern gibt es vereinzelt ähnliche Projekte. “Es gilt auch mit dem Gesundheitsamt einiges zu klären. Die Kinder dürfen die Schnecken leider auch nicht auf die Hand nehmen. Das ist schade, denn das ist eine prima Erfahrung für Kinder. Deswegen kommen Riesenschnecken ja auch in Therapien zum Einsatz. Aber auch ohne Anfassen oder Halten gibt es für unsere Kinder viel zu helfen”, berichtet Marianna Cuda aus ihrem “Schnecken-Alltag”. 

Anfangs durften die Kinder das neue Zuhause der Schnecken einrichten: Sie fanden kleine Äste und Baumstämme, Waldmoos und Korkrinde, unter denen sich Schnecken gerne verkriechen. Und sobald sie alles schnecken-gemütlich hergerichtet hatten, durften insgesamt sechs Schnecken einziehen. Was es zu essen gibt, entscheiden die Kinder: Sie bringen kleingeschnittene Gemüsereste wie Karotten, Zucchini oder Süßkartoffeln von zu Hause mit. Das absolute Highlight auf dem Schnecken-Speiseplan sind wohl Gurken. “Gibt’s die, wird alles andere links liegen gelassen”, erzählt Marianna Cuda lachend. Und wer ganz leise ist, kann die Schnecke sogar hören. Wenn sie essen, sind ganz leise Raspelgeräusche zu hören. Für die Kinder ist das eine ganz besondere Erfahrung. Spannend ist’s auch immer, wenn die Schnecken trinken. Denn dann machen sie sich über das Kondenswasser an der Aquarium-Scheibe her. Wie das aussieht, beobachten die Kinder gerne mit der Lupe.

Marianna Cuda beobachtet, wie die Kinder mehr und mehr Verantwortung für ihre Schützlinge übernehmen. In den ersten “Corona-Wochen” waren manche Kinder etwas beunruhigt: Mit der Frage, ob sich denn nun auch jemand um die Schnecken kümmere, riefen sie im Kindergarten an. Aber da brauchen sie bei Marianna Cuda keine Bedenken haben. Auch sie hat die sechs Riesenschnecken ins Herz geschlossen und kümmert sich natürlich die ganze Woche über um sie. Corona hin oder her.