Kitas und Schule zu Zeiten Coronas

Leere Gruppenräume, verwaiste Klassenzimmer, gähnende Leere, wo sonst das Leben pulsiert: auf dem Schulhof und in den Garderoben. Corona hat Schulen und Kindergärten fest im Griff. Und doch bringt diese Ausnahmesituation neben Einschränkungen und sozialer Distanz gleichzeitig Freiraum und Herzensnähe.

Es ist ungewöhnlich still und ruhig. An allen Schulen und in allen Kindertagesstätten, so auch in den Einrichtungen des Pädagogischen Zentrums Ingolstadt. Lediglich ein paar wenige Kinder, mit Eltern in systemkritischen Berufen, werden in insgesamt drei sogenannten Notgruppen in Ingolstadt und Manching betreut. 

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heißt es: Weiterarbeiten. Ohne Kinder. “Wie soll denn das gehen?”, fragt sich manch einer. Aber von Langeweile ist in keiner Einrichtung die Spur. Im Gegenteil. “Also, wir sind gerade voll in unserem Element!”, berichtet Marion Mörtl, Einrichtungsleitung der Kita an der Levelingstraße. Dort, wie in allen anderen Tagesstätten des Pädagogischen Zentrums, werden diese Tage Wände gestrichen, Decken, Kissen und Stofftiere in die Waschmaschine gesteckt, Bibliotheken sortiert, Gruppenräume umgestaltet und Schränke, Keller und Gartenhäuser aus- und aufgeräumt. “Wir nutzen jetzt auch die Gelegenheit unsere Gruppenräume immer mehr mit Naturmaterialien auszustatten und weniger auf Plastik zu setzen”, erklärt Marion Mörtl weiter. 

“Es ist so viel zu tun und zu organisieren”, heißt es auch aus der Montessorischule Ingolstadt. Das Schulleitungsteam aus Ricarda Weidenhiller und Christina Dreinhöfer ist weiterhin vormittags an der Schule anzutreffen. "Ich begegne immer wieder Lehrern, die hier Dinge holen oder vorbereiten. Ansonsten sind die Lehrkräfte eigentlich täglich in Kontakt mit den Schülern. Hier macht sich bemerkbar, dass es sich auszahlt, die Schüler ab der 7. Klasse in das Arbeiten mit Teamablagen, Emails, Chats usw. zu schulen. Für die Stufen 5/6 geht es über die Eltern und deren Emailadressen, da hier viele noch keinen eigenen Rechner zuhause haben", so Christina Dreinhöfer. Sie ist stolz auf ihre Schülerinnen und Schüler, die - so zumindest in den ersten Tagen - hervorragend mit der Situation zurecht kommen. 

Dafür wird von Seiten des Lehrerkollegiums auch alles getan: Die Lehrkräfte mit Unterstützung der Lerngruppenteams feilen Arbeitspläne für ihre Schülerinnen und Schüler aus, wandeln Arbeitsmaterialien in digitale Formate um und beantworten die vielen Fragen der Eltern, die täglich per Mail auf sie einprasseln. Vor allem im Grundschulbereich, wo die Eltern angehalten sind mit ihren Kindern Unterrichtsstoff zu erarbeiten und Übungen zu absolvieren, tauchen oft konkrete Fragen zu Inhalten und Aufgaben auf. "Ansonsten hören wir aber wenig. Die Organisation scheint also zu klappen", schildert Ricarda Weidenhiller erleichtert. In den höheren Jahrgangsstufen halten sich die Eltern eher zurück. Die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule organisieren sich zum Großteil selbst. "Ich sitze jeden Nachmittag mit meinen Schülern virtuell zusammen und beantworte Fragen. Ich merke, dass die meisten Montessorischüler durch und durch sind und selbst die Verantwortung für ihr Lernen tragen. Ich bin da sehr stolz auf sie", so Christina Dreinhöfer. Lediglich in den Abschlussklassen, den Jahrgangsstufen 9 und 10, herrscht etwas Nervosität. Die Schüler denken an ihre Prüfungen und fragen sich, wie es dahingehend weitergeht. Aber diese Frage kann auch die Schulleitung bisher nicht beantworten. "Etwaige Sonderregelungen zu Abschlussprüfungen, Leistungserhebungen oder dem Übertrittsverfahren, die aufgrund des Unterrichtsausfalls nötig werden, werden derzeit erarbeitet", heißt es aus dem Kultusministerium. Diese Information wird auch an die Schüler weitergegeben. Wichtig sei Transparenz und der ehrliche Umgang mit den Fragen der Schülerinnen und Schüler. 

So herrscht, egal wo man hinsieht, emsiger Arbeitseifer. Wenn auch ganz anders als gewohnt: Ohne Kinder, dafür mit viel Raum für kreative Ideen und intensive Gespräche im Team. Wo sonst die Kinder immer an erster Stelle stehen, ist nun auch einmal Platz für Veränderung zum Beispiel in der Raumgestaltung oder bei Projektplanungen. Noch hört man Bohrmaschinen, wenn neue Regale angebracht werden oder den Staubsauger auf der Suche nach den Wollmäusen im hinterletzten Eck. Bei frühlingshaften Temperaturen sieht man Erzieherinnen Sandkästen umgraben und Wanddekorationen basteln. Lehrerinnen und Lehrer tauschen sich auf digitalem Wege regelmäßig aus, erfrischen täglich mit neuen Unterrichtsideen und -materialien und freuen sich darüber, dass sogar Kolleginnen in Mutterschutz und Elternzeit nicht ruhen und Ideen teilen und somit das Team motivieren. Gemeinsam sind alle stärker - trotz oder womöglich gerade wegen Corona.