Schule hält an Türkei-Austausch fest

Ein Schüleraustausch mit der Türkei – für viele Eltern ist das aufgrund der instabilen politischen Situation vor Ort unvorstellbar. Die Verantwortlichen unserer Montessorischule halten trotzdem daran fest.

Schließlich waren nun extra zwei Mitarbeiter vor Ort, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Annette Herbst und Ulrike Uedelhoven reisten Ende April nach Manisa, wo sie von den Partnern der Schule „Manisa Hedef Koleji“ nahezu hofiert wurden. Die Freundschaft liegt auch den Türken sehr am Herzen – das wurde mehr denn je klar. In einem Interview schildern Annette Herbst und Ulrike Uedelhoven ihre Eindrücke vor Ort.

Viele Eltern haben Sorgen ihre Kinder in die Türkei mitreisen zu lassen – ihr wart nun dort, um euch selbst ein Bild zu machen. Wie war‘s?

Interessant! Und weniger problematisch als erwartet. Wir sind toll aufgenommen worden, sehr gastfreundlich. Es gab nirgendwo Probleme, auch am Flughafen nicht. Wir haben nicht gemerkt, dass da ein riesen Umbruch im Land ist. 

War denn die Reise anders als sonst?

Nur die Rückreise: Da wurde unser Gepäck extra noch einmal auf Sprengstoff überprüft. Das kannten wir bisher so nicht. Störte uns aber nicht weiter, schließlich bedeutet das ja auch mehr Sicherheit für uns.

Habt ihr sonst Veränderungen gespürt, beim Einkaufen, bei euren Ausflügen, im Hotel?

Eigentlich nicht.

Ist bei den Leuten, mit denen ihr zusammen wart, eine Unsicherheit zu spüren?

Das war überhaupt kein Thema. Wir haben zwar schon gemerkt, dass sie untereinander politisiert haben, aber auch auf Nachfrage, wurde nicht mit uns über Politik gesprochen. Es ist ein Tabuthema. Vielleicht möchte man mit uns einfach nicht darüber sprechen, vielleicht waren’s aber auch einfach nur sprachliche Schwierigkeiten.

Wie stehen denn unsere Partner zum Thema „Austausch“?

Die würden sehr, sehr gerne daran festhalten und haben uns extra für nächstes Jahr wieder eingeladen. Während des ganzen Aufenthaltes wurden wir geradezu hofiert und beim Abschied hatten unsere Partner sogar Tränen in den Augen. Ihre einzige Angst ist wirklich, dass diese Partnerschaft verloren geht. Schließlich machen wir diesen Austausch jetzt seit acht Jahren. Und auch wir möchten diese Freundschaft unbedingt aufrechterhalten. 

Was würdet ihr im Vergleich zu den vergangenen Reisen trotzdem anders machen?

Die Reise an sich würde nicht anders aussehen. Wir wollen auf jeden Fall aber besonders auf die Eltern zugehen und im Vorfeld einen Informationsabend veranstalten. Was wir bereits jetzt schon machen, ist eine Art Brieffreundschaft mit den Schülern aus der Türkei. Sowohl unsere, als auch die türkischen Kinder sind da sehr eifrig und begeistert bei der Sache. Wir vertreten den Standpunkt: Wenn wir im Kleinen nicht diese Verständigung und Freundschaften erhalten, dann wird’s vielleicht auch im Großen nicht möglich sein. 

Die Verantwortlichen halten nicht ohne Grund an diesem Austausch fest: Ihnen geht es um vielmehr als um Freundschaften. Die Schüler bekommen während der Reise die einmalige Gelegenheit ein anderes Schulsystem kennenzulernen und den Alltag in einer türkischen Familie mitsamt ihrer eigenen Kultur und Religion hautnah mitzuerleben. 

Angepeilt wird eine einwöchige Reise im Frühjahr 2019. Bereits zu Beginn des neuen Schuljahres soll dazu ein Infoabend für alle Eltern stattfinden.