Ellen Wittmanns Malwerkstatt - EIN PORTRÄT

„Ich male seitdem ich denken kann“ erinnert sich Ellen Wittmann und schmunzelt. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung als Reprovorbereiterin in einem Atelier einer Siebdruckerei, eine sozialpädagogische Ausbildung und den Montessori-Diplomkurs. Sie studierte Lehramt GS mit Hauptfach Kunst und schloss schließlich am Institut für Kunst und Therapie in München als Kunsttherapeutin ab. Wichtig war ihr immer eins: Kunst geht nur ohne Zwang und Vorschrift. Malvorlagen hat sie schon als Kind links liegen gelassen. Regeln und Anweisungen, wie man mit Farbe oder Material umzugehen hat, sind ihr bis heute dem fremd. Neben ihrer Arbeit in der Malwerkstatt mit Schülern und Erwachsenen arbeitet Ellen Wittmann an freien künstlerischen Projekten und für das Neuburger papp&klapp THEATER, u.a. gestaltet sie das Bühnenbild. 

PZ: Geben Sie uns doch einen kleinen Einblick in die Geschichte und das Konzept der Malwerkstatt..
E. Wittmann: Die Malwerkstatt gibt es seit circa 17 Jahren. Damals habe ich viele Ideen gesponnen, aus denen sich irgendwann ein Konzept herauskristallisiert hat. Angefangen haben wir dann mit einem Angebot in der Schule an zwei Tagen in der Woche - inzwischen sind es circa 21 Stunden.  Aus dem Bedürfnis heraus sind nach und nach Angebote für Kindergarten-Kinder entstanden und für die ehemaligen Schüler die sogenannte MALWERKSTATT 10+. Weil auch Eltern Interesse zeigten, gibt es seit längerem auch Jahreskurse für Frauen und Workshops für Erwachsene am Wochenende. Auch Kindergeburtstage werden in der Malwerkstatt gefeiert: immer schöpferisch!

Die Offene Malwerkstatt ist für alle Kinder der Schule zugänglich, die ein Malwerkstatt- Diplom erworben haben. Hierher kommen die Schüler spontan, aus eigener Entscheidung heraus. Sie sprechen sich mit dem Lerngruppenbetreuer ab und tragen sich selbständig in die Liste vor der Malwerkstatt ein. Jede Woche hängt eine neue Liste aus. In der offenen Malwerkstatt geht es um Freiarbeit: Jedes Kind wählt selbst eine
Aufgabe, entscheidet über Material und Technik. Im Grundkurs sind diese Diplome zu erwerben. Dafür sind die Kinder in gemischte Gruppen eingeteilt, lernen die Regeln und den Ablauf in der Malwerkstatt kennen und werden in ein bestimmtes Thema bzw. eine bestimmte Technik eingeführt. In der Klasse 5/6 gibt es feste Gruppen, die wöchentlich zum Kunstunterricht kommen. Schülerinnen und Schüler der Neunten Klasse können sich freiwillig für den Quali- Kunstunterricht entscheiden. Hierfür wird sehr zielstrebend auf die Prüfung vorbereitet.

Inwiefern ist die Malwerkstatt „Montessori“?
Das Montessori-Prinzip ist ein wesentlicher Teil des Konzepts: Die Kinder entscheiden sich selbst für bestimme Farben oder andere Materialien, nachdem sie in den Grundkursen den Umgang damit gelernt haben. In der Malwerkstatt verwenden wir nur wenig Original-Montessori-Material (z. B. die Farbplättchen, die blauen Körper, die Geometrische Kommode, die Botanische Kommode), stattdessen geht es uns eher um sinnliches Material wie Farben und Werkstoffe z.B. Holz, Ton, Wolle, Gips. Aber während des Schaffensprozesses beobachte bei den Kindern das Phänomen
der „Polarisation der Aufmerksamkeit“ nach Montessori. Das heißt, dass das Kind ganz mit dem Tun und den Dingen eins ist. Das wirkt harmonisierend und ruft ein gewisses Glücksgefühl hervor. Als eine wichtige Aufgabe der Malwerkstatt sehe ich die Vorbereitete Umgebung, die den
Kindern Raum schafft für ihr Urbedürfnis: Zeichnen und Malen. Hier kann sich möglichst uneingeschränkt die zeichnerische Entwicklung des Kindes nach dem „inneren Bauplan“ entfalten.

Was machen Sie mit Kindern, die aus sich heraus nicht so kreativ sind?
Ich versuche dann Kinder über andere Wege zu schöpferischen Arbeiten führen, zum Beispiel über Geschichten. Was es bei mir aber sicherlich nicht gibt, ist der Satz: „Ich zeige dir, wie du einen Baum malst!“, oder ähnliches. Jedes Kind, jeder Mensch hat ein inneres Bild, eine Vorstellung von etwas, das sehr persönlich und nicht austauschbar ist. Diese Vorstellung zu entwickeln und zu stärken ist auch Teil meiner Aufgabe.

Was fasziniert Sie an Kinderkunst?
Das ist die Echtheit, die Spontaneität, die man in den Bildern spürt. Sogar Picasso und auch Klee haben sich von Kinderbildern inspirieren lassen – fasziniert von der Stärke im Ausdruck.

Wie kam es zu Begriff „Malwerkstatt“?
Da ist zum einem das „Malen“. Dabei fangen wir damit an, Farbe selbst herzustellen, wir schauen auch verschiedene Erden an und gehen somit zurück an den Ursprung. Wir stellen aber auch Öl- und Wasserfarben selbst her. Natürlich arbeiten wir auch mit vorgefertigten Farben, wie zum Beispiel Acrylfarben. So kann jeder seine eigene Farbe finden.  Der Bereich „Werkstatt“ ist für die Kinder, die haptisch arbeiten möchten, die gerne bauen oder auch Dreidimensionales erschaffen. Hier gibt es verschiedenste Materialien, wie Holz, Gips, Stein, Papier, Pappe und viele mehr. Wolle zum Beispiel ist ein Lieblingsmaterial.

Welche Projekte stehen in diesem Schuljahr an?
Ich möchte mehr mit den neuen Lerngruppen zusammenarbeiten. Schauen, was gerade in den Gruppen Thema ist und was man speziell dazu anbieten könnte. 

Weitere Aspekte der Malwerkstatt können in dem nachstehend angefügten Audio-Beitrag zu Ellen Wittmanns Malwerkstatt nachhören.