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Ein Leben im Autismus-Spektrum: Eine Familie erzählt

Wenn Konstantin zu Hause am Frühstückstisch sitzt, steht dort auch eine Sanduhr. Leise rieselt der Sand, während Konstantin in sein Brot beißt. Ist die Sanduhr durchgelaufen, ist Zeit fürs Zähneputzen. Die Tage des Sechsjährigen brauchen Struktur. Bei dem Jungen wurde die Diagnose "Autismus-Spektrum" gestellt. Das ist keine Krankheit, sondern eine besondere Art der Hirnvernetzung.

Konstantin markiert auf dem Brett "Unser Tag", was alles ansteht.

Jede Abweichung vom gewohnten Rhythmus muss gut vorbereitet werden. Ein spontaner Besuch auf dem Spielplatz, weil gerade die Sonne rausgekommen ist? Unmöglich! "Als Konstantin vier geworden ist, ist uns immer mehr bewusst geworden, dass wir genauer nachforschen müssen, was hinter seinem Verhalten steckt", erzählt die Mutter. Damals war Konstantin in einer Regeleinrichtung und hatte auch zuvor die Krippe besucht. Aber so richtig wohl gefühlt hatte er sich nie. 

Verschiedene Therapien an einem Ort

Etwa ein Jahr lang dauerte es, bis die Experten am Sozialpädiatrischen Zentrum in Landshut nach vielen Tests die Diagnose Autismus-Spektrum stellten - in Kombination mit ADHS. So konnte die Familie einen Platz in der Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT) beantragen. Im Juli 2025 kam Konstantin dann zu den Heimatsternen in der "Kleinen Heimat" Münchsmünster. "Seitdem hat er sich total verändert. Er kommuniziert anders, ist viel offener, hat einen besseren Zugang zu sich selbst und nimmt Dinge besser an”, beschreibt die Mutter die Entwicklung ihres Sohnes. In der Heilpädagogischen Tagesstätte bekommt er neben dem Gruppenalltag verschiedene Therapien: Ergotherapie, Logopädie, Gespräche mit Psychologen und auch heilpädagogische Förderung. "Für ihn und für uns ist das eine absolute Erleichterung", so die Mutter. Konstantin kann so in seiner gewohnten Umgebung bleiben und die Zeit morgens, wenn er noch Energie hat, für die Therapien nutzen. Nachmittags kann er zu Hause dann zur Ruhe kommen und muss nicht noch einmal los. Das ist auch ein Segen für die Familie, in der es noch zwei weitere Kinder gibt.

Grenzen sind wichtig

Auch HPT-Leitung Andrea Ostermeier sieht Konstantins Fortschritte: "Für uns war der Beziehungsaufbau wichtig. Konstantin muss sich in der Gruppe und mit den Erzieherinnen wohlfühlen können. Genauso wichtig ist aber, dass er Grenzen kennenlernt", erklärt Ostermeier. Konstantin bricht regelmäßig aus: Wenn ihn Situationen überfordern, zum Beispiel eine Planänderung oder wenn er unvermittelt von Fremden angesprochen wird, kann es sein, dass er schreiend die Flucht ergreift. Dass er dann eine Auszeit braucht, ist vollkommen okay, aber diese muss kontrollierbar bleiben. Deswegen gibt es für ihn Rückzugsorte. Er weiß mittlerweile, dass er sich dann unter einer Bank verstecken oder in der Kuschelecke zurückziehen kann. Dort hilft ihm unter anderem eine Gewichtsdecke dabei, wieder zu sich selbst zu finden und sich zu sammeln. Erst dann ist er bereit, zu reden. 

Tagesablauf zur Orientierung

"Mittlerweile kann Konstantin oft genau benennen, mit was er Schwierigkeiten hatte", beschreibt Ostermeier. Auch Konstantins Mutter ist begeistert: "Das wäre vor einem Jahr nicht vorstellbar gewesen." Sie ist dankbar für dieses eine Jahr in der HPT, wo Konstantin bereits nach wenigen Wochen gut in die Gruppe integriert war. Was hilft ist unter anderem der Betreuungsschlüssel: Auf neun Kinder kommen 2,5 Vollzeitstellen. Konstantins Mutter hebt auch die Geduld und das Einfühlungsvermögen des Teams besonders hervor. Und sicherlich sind es die Strukturen, die helfen: Im Morgenkreis bespricht die Gruppe, was den Tag über ansteht. Ein Kind markiert die Informationen auf einem großen Brett an der Wand. "Unser Tag" steht darauf. Eine Orientierung, die Konstantin und auch den anderen Kindern in seiner Gruppe Halt gibt. Kleine Spiele lockern den Morgenkreis auf. Das sogenannte Tageskind darf auswählen, was gespielt wird. "Mitbestimmung ist uns extrem wichtig", erklärt Erzieherin Jennifer Rohde. Konstantin strahlt, nachdem er den "Zauberer Schrappelschrut" ausgewählt hat und ein Kind aus der Gruppe in einen Eisbären "verwandelt". Dieses bewegt sich daraufhin auf allen Vieren und Eisbär-brüllend innerhalb des Kreises. Alles wirkt normal. Aber jeder Moment könnte Konstantin oder auch eines der anderen Kinder überfordern. Darauf ist das Team vorbereitet.

Nächster Meilenstein: Schule

Ab Herbst geht es für Konstantin schon wieder weiter. Die Familie hofft, einen Platz im Förderzentrum Kösching zu bekommen. Auch um eine Schulbegleitung bemüht sie sich aktuell. Damit die Umstellung nicht zu groß ist, dürfte diese auch bereits in der HPT mit Konstantin Kontakt knüpfen.

Wir wünschen Konstantin und seiner Familie viel Glück auf dem weiteren Weg und danken für dieses persönliche Interview und die Einblicke in das Leben im Autismus-Spektrum. 
 

Konstantin markiert auf dem Brett "Unser Tag", was alles ansteht.

In der Kuschelecke kann sich Konstantin zurückziehen.

Strukturen sind elementar für Kinder im Autismus-Spektrum.

Brotzeit bei den Heimatsternen.

Konstantin markiert auf dem Brett "Unser Tag", was alles ansteht.

In der Kuschelecke kann sich Konstantin zurückziehen.

Strukturen sind elementar für Kinder im Autismus-Spektrum.

Brotzeit bei den Heimatsternen.

Konstantin markiert auf dem Brett "Unser Tag", was alles ansteht.

In der Kuschelecke kann sich Konstantin zurückziehen.

Strukturen sind elementar für Kinder im Autismus-Spektrum.

Brotzeit bei den Heimatsternen.

Konstantin markiert auf dem Brett "Unser Tag", was alles ansteht.

In der Kuschelecke kann sich Konstantin zurückziehen.

Strukturen sind elementar für Kinder im Autismus-Spektrum.

Brotzeit bei den Heimatsternen.