Miri, wenn du einen Krippentag in Gedanken Revue passieren lässt: Welche besonderen Momente ploppen da auf?
Es gibt viele Momente. Das Lächeln der Kinder, weil sie sich freuen, dich zu sehen. Umarmungen zur Begrüßung oder zum Abschied, welche für einige Kinder zu wichtigen Ritualen geworden sind. Wenn ich Entwicklungsschritte von Kindern miterleben darf, z.B. erste Worte oder Schritte oder wenn sie es endlich geschafft haben, die Kletterwand im Flur zu erklimmen und die Glocke zu läuten, die oben hängt. Und was ich immer wieder schön und besonders finde ist ein “Danke” von Eltern am Ende eines Tages, denn das ist leider nicht mehr so selbstverständlich.
Gab es einen Moment in deiner bisherigen Laufbahn, der dich als Erzieherin besonders geprägt hat?
Unser erstes Integrationskind hat mit Unterstützung von Logopädie und dem Einsatz von gebärdenunterstützter Kommunikation irgendwann erste ein- und doppelsilbige Worte (Ja, Mama, Papa) gesagt. Eines ihrer liebsten Spiele war es, im Sand und in der Puppenküche Eisdiele zu spielen. Von ihren Eltern wusste ich, dass sie gern Schokoeis isst, deshalb habe ich dieses immer bei ihr bestellt. Eines Tages sagte sie dann im Spiel plötzlich das Wort Schokoeis laut und deutlich (ein mehrsilbiges und schwieriges Wort). Alle, selbst die anderen Kinder um sie herum, haben sich darüber gefreut, dass sie dieses Wort gesagt hat. Einige Tage darauf sind wir Eis essen gegangen und es gab natürlich Schokoeis. Ich war sehr berührt von diesem Moment, denn das hat mir gezeigt, dass Integration funktioniert, wenn man sie lebt. Miteinander aufwachsen und voneinander lernen.
Welche Projekte möchtest du für die Krippe gerne umsetzen?
Ein großer Wunsch von mir konnte schon umgesetzt werden. Im letzten Jahr sind wir zu einer Integrationseinrichtung geworden, zuvor haben wir Einzelintegration (zwei Kinder mit Integrationsbedarf in der Einrichtung) angeboten. Nun haben wir die Möglichkeit, mehr Kindern mit besonderen Bedürfnissen einen Platz bei uns geben zu können. Integration ist ein sehr wichtiges Anliegen für mich, da ich selbst in meiner Familie Menschen mit Beeinträchtigungen habe, mit denen ich aufgewachsen bin. Das gemeinsame Aufwachsen hat mich geprägt und zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
Ein weiteres Projekt, an dem wir schon seit geraumer Zeit arbeiten, ist die Nachhaltigkeit. Dafür haben wir schon einiges getan, wie z.B. aktive Mülltrennung/Müllvermeidung, Pflanzbeete oder auch einen eigenen Komposter. Ein Projekt/Wunsch wären nun noch Lastenräder mit Platz für bis zu sechs Kindern, damit wir nachhaltig mobil sein und weiter entfernte Ausflüge unternehmen können.
Ihr arbeitet nach der Montessori-Pädagogik: Welches Material magst du für die Krippenkinder am liebsten?
Wir sind angelehnt an die Montessoripädagogik und die Selbstständigkeit der Kinder liegt für uns im Vordergrund. Wir haben hierfür viele Materialien zu “Übungen des täglichen Lebens”, z.B. verschiedene Lern-Tablets, Sensorik Boards, Anziehrahmen und vieles mehr. Ich persönlich mag die Sensorikwannen sehr. Diese können mit verschiedensten Materialien gefüllt werden (Sand, Reis, Linsen, Kastanien). Hierbei lernen die Kinder Schütten, Löffeln, Dosieren, Zielen und trainieren dabei ihre Hand-Augen-Koordination und die Feinmotorik.
Liebe Miri, vielen Dank für den Einblick in deine Motivation und deine Vision für unsere Kinderkrippe Hollerstauden. Wir wünschen dir und deinem Team den Erfolg, den ihr verdient!
